Ich heiße Katja und wurde 1968 in Südtirol geboren.
Ich war ein sehr lebhaftes Kind, aufgewachsen an einem Ort, an dem man noch den ganzen Tag draußen auf den Feldern spielen konnte, in Gesellschaft einer wirklich großen Gruppe aus Geschwistern und Cousins. Ich hatte das Glück, in einer großen Familie aufzuwachsen, in der die Rolle der Eltern sich mit der der Tanten und Onkel vermischte. Die meisten meiner Cousins sind Jungs, daher war ich auch ein kleiner Wildfang, mit einer Gummiwaffe und einem Blasrohr unter dem Sattel meines Crossfahrrads. Meine Beziehungen in der Schule und in der Freizeit waren immer hauptsächlich auf die männliche Welt ausgerichtet, ich fühlte mich wohler, sie sprachen eine Sprache, die mir vertraut war. Ich war rebellisch, stur, entschlossen und ziemlich unabhängig, oft einsam, und das war für sie kein Problem.
In meinen Ruhezeiten liebte ich es, vor dem Fernseher zu sitzen und der Harfe, die spielte, zuzuhören während der Bildschirm mit einem feststehenden Bild einer Antenne verharrte, da die Sendungen erst am späten Nachmittag begannen. Der Klang der Harfe versetzte mich in einen Zustand von Frieden und Ruhe, den ich nicht verstand, der mich aber hypnotisierte. Irgendwo in mir tauchte ein Ruf nach etwas Feinerem auf. Ein starker Kontrast zwischen dem lauten und physischen Spiel und dem Lassen, mich in Traum- und Wahrnehmungswelten tragen zu lassen. Ich begann, Musik und Gesang zu studieren, ein paar Jahre Geige zu spielen. Klassische Musik gefiel mir wirklich sehr, eine hohe, reine Vibration, die mich nährte.
Mit der Pubertät wurde alles chaotisch. In der Oberstufe begann ich mich mehr mit Mädchen auseinanderzusetzen. Es war mir eine wirklich fremde Welt, sie zog mich an, aber ich fühlte mich unzulänglich. Ich beobachtete diese Beziehungen, die aus oberflächlicher Komplizenschaft, Neid und Eifersucht gewebt waren. Ich war naiv, vielleicht unvorbereitet, diese so komplexe Welt zu verstehen. Fasziniert und gleichzeitig orientierungslos beobachtete ich, was die Gruppe der „Freundinnen“ bewegte und fragte mich, warum sie sich gegenseitig die Freunde stahlen. Für mich war die männliche Welt weiterhin sicherer.
Nach der Schule konnte ich nicht mehr zwischen den Bergen eingesperrt bleiben, sie waren zu eng, und ich suchte meine Identität fern von einer Familie, die mir zu starr und streng erschien und mir verbot, frei zu entdecken, wer ich war: zu Hause nahm ich die weibliche Figur als so marginal wahr, dass sie in meinen Augen nicht existierte; ich war ohne Bezug.
Ich begann zu reisen und blieb für lange Zeit weg. Ich versuchte zu verstehen, welche Geschenke mir das Unbekannte brachte, wo niemand Erwartungen hegte – mich neu erfinden, frei leben, von Tag zu Tag, nur mit mir selbst. Intensive, wunderschöne, manchmal sehr schwierige, aber bereichernde und unauslöschliche Erfahrungen. Ich lebte eine Zeit lang in Deutschland und reiste dann durch einige italienische Städte: Bologna war besonders lustig. Dann das wunderbare Südamerika. Die lange Zeit in den Anden hinterließ in mir eine besondere Spur, die ich erst zwanzig Jahre später verstehen würde.
Als ich nach Südtirol zurückkehrte, heiratete ich und es wurden zwei wunderbare Söhne geboren, wie ich es mir immer gewünscht hatte. Das Weibliche blieb für mich eine ziemlich abstrakte Welt, trotz der Anwesenheit guter und lieber Freundinnen, die mir beim Übergang im Leben, beim Aufziehen der Kinder und bei der gegenseitigen Unterstützung halfen. Ich war mir noch nicht bewusst, was ich erlebte, blieb in einer Energie des Tuns, weil es getan werden musste, und gut gemacht! Ein Erbe der familiären Lehren. Tatsächlich hatte ich das große Glück, die Last und Verantwortung der Familie teilen und erleichtern zu können. Ich lernte den Wert der Unterstützung, des Immer und Unbedingt Daseins: „Mach dir keine Sorgen, mach deine Dinge, ich kümmere mich um deine Kinder, morgen lasse ich dir meine“. Es war normal und selbstverständlich, dass „heute ich, morgen du“, und so ging es weiter zwischen einem Ausflug in die Berge, einem Kaffee mit Geschichten und Tränen, den Hausaufgaben der Kinder und dem Ehemann, der nicht genug mithalf. Obwohl ich inzwischen erwachsen und Mutter war, war ich mir nicht bewusst, dass ich bereits die Fülle eines kleinen Kreises lebte, wie es für die Mütter und Tanten war, wenn sie gemeinsam Marmelade für alle machten. Aber es genügte mir nicht.
War es wirklich so offensichtlich oder banal, was ich erlebte? Wirklich so selbstverständlich? Wie wäre es ohne gewesen?
Ich konnte seinen Wert noch nicht erkennen.
Als die Kinder in die Grundschule kamen, begann ich zu arbeiten, es war mir wichtig, dass es in einer ethischen und respektvollen Welt war, also trat ich in die Welt des Biologischen ein. Ich besuchte Kurse und Seminare über natürliche Medizin, Heiltechniken und alternative Gesundheit. Ich mochte diese Welt und stürzte mich total hinein. Sie rief die gleiche Art von Energie hervor, wie der Klang der Harfe, die ich als Kind hörte.
Sowohl bei der Arbeit, als auch in den Kursen, war ich meist unter Frauen. Während ich immer ein wenig am Rand stand, beobachtete ich eine konstante: die Konkurrenz. Gleichzeitig meldete sich jedoch immer häufiger eine Stimme aus meinem Herzen, die mir sagte, dass es etwas Wichtiges gab, auch wenn ich noch nicht wusste, was es war, aber ich musste mehr über dieses Gefühl erfahren, das aufkam, wenn ich unter Frauen war.
Meine Wahrnehmung und mein Empfinden änderten sich radikal, als ich begann, Seminare zu besuchen, die nur für Frauen gedacht waren. Eine neue Welt, eine unglaubliche Welt, eine unübertroffene Nahrung. Ich entdeckte endlich, dass ich eine Frau bin, und so kaufte ich mir erst nach dreißig Jahren meinen ersten Rock. In mir bewegte sich etwas, ich begann, mich wirklich wohl in mir selbst zu fühlen. Was für ein seltsames und angenehmes Gefühl, zwischen Frauen zu sitzen, den Wissensdurst zu stillen und mich unterstützt zu fühlen! Bin ich wirklich das, was ich hier, an diesem Ort, manifestieren kann? Ist das die Schwesternschaft? Die Distanz zwischen mir und „den anderen“ verschwand in der Teilhabe und im Staunen darüber, dass mein Emotionales, meine Sensibilität, keine kindlichen Emotionen waren, die zu unterdrücken waren, sondern gehört, empfangen und vor allem verstanden wurden! Es war egal, wie hoch mein Reifegrad war, ich wurde an die Hand genommen und begleitet. Die Älteren lehrten mich mit großem Einfühlungsvermögen, was das Spüren des Schoßes bedeutet: diese feine Sprache, die nur dem Weiblichen gehört.
Im Laufe der Jahre wurde der Kreis und das weibliche schamanische Studieren mein neues Zuhause. Ein schönes, einladendes, warmes Zuhause, mein Zuhause. Ich begann zu sehen, dass Neid, Rivalität und Konkurrenz im Weiblichen nicht „das Frau-Sein“ sind, sondern die Manifestation einer tiefen Wunde, an der es wichtig ist, zu arbeiten. Mit der Zeit wurde mir bewusst, dass es gerade in den Kreisen ist, wo diese Wunde geheilt wird, dass es im Lernen, gemeinsam zu sein, in der Teilhabe, der Akzeptanz und im Austausch geschieht. Im Kreis lernt man, in der Aussetzung des Urteils zu sein, und dort manifestiert sich die wahre Essenz des Weiblichen: eine wunderbare Kraft, die das Dasein selbst nährt.
Lange ist der Weg, den ich gegangen bin, und die Lehren, die ich in dreißig Jahren von verschiedenen Lehrern auf unterschiedlichen Wegen erhalten habe, haben mich zu einer für mich grundlegenden Erkenntnis geführt: Es ist egal, wie viele Konzepte und Kenntnisse wir erwerben, nichts hat Wert ohne die Einheit und den Respekt in den Unterschieden, die komplementär und immer bereichernd sind.
Jeder Schritt hat mich zum Herzen geführt. Zur Essenz der Liebe. Zur Loyalität, zu transparenten Beziehungen, zur spontanen und ehrlichen Vertrautheit.
Heute lebe ich jeden Tag auf der Suche und in der Reflexion, um den Wert eines Weiblichen zu finden und zu nähren, das sich erkennt, das zu sich selbst zurückkehrt, das im eigenen Herzen wohnt.
Um dieses Empfinden zu teilen und dazu beizutragen, in den Seelen den Wunsch nach der Entdeckung der Schwesternschaft mit all ihren Geschenken zu säen, habe ich beschlossen, ein Symbol in die Welt zu tragen, welches zwar „nur ein Objekt“ ist, aber eine große Botschaft in sich trägt: unendliche Weisen, unzählige Ausdrucksformen, Unermesslichkeiten von Formen und Ideen sind eins – Tochter, Mutter, Schwester – es ist einfach und natürlich Frau.
Denn das Leben ist schöner im Kreis!
Katja
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